Naturnahe Pflege - Maßnahmen des Straßen- und Grünflächenamts

Blühende Obstwiese am Gerosteig

Ein Konzept, vielfältige Umsetzung

Die extremen Klimaentwicklungen setzen der Natur zu und gesunde Ökosysteme werden immer wichtiger. Sie sind widerstands- und anpassungfähiger und wirken der globalen Erwärmung entgegen. Der Fachbereich Grün des Straßen- und Grünflächenamtes Treptow-Köpenick hat deshalb ein Konzept zur naturnahen Pflege entwickelt.

Was ist das Ziel? Natürliche Ökosysteme, Flora und Fauna sowie biologische Vielfalt sollen erhalten, geschützt und gefördert werden.

Wie sieht naturnahe Pflege aus? Seit September 2019 wird das Pflegekonzept auf ausgewählten Grünflächen des Bezirks angewendet. Die Umsetzung findet teilweise in Zusammenarbeit mit dem Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks und den Stadtnatur-Rangerinnen und -Rangern der Stiftung Naturschutz statt. Zu den Instrumenten der naturnahen Pflege gehören bislang:

Gemähte Grünfläche

Extensivierung der Mahd

Extensivierung bedeutet das Gegenteil von Intensivierung. Das heißt vereinfacht: Ausgewählte Grünflächen werden schonender, also “naturnaher” gepflegt. Zur extensiven Pflege gehört auch die „gestaffelte Mahd“, also das abschnittsweise und zeitversetzte Mähen von Teilflächen. Dadurch werden deutlich weniger Tiere gestört, es gibt Nahrung in Form von Nektar oder Pollen und Wildblumen können sich versamen. Dadurch wird die Artenvielfalt gefördert. Zusätzliche positive Effekte dieses Langschnittkonzepts: Das “schonende Mähen” fördert zum einen natürliche Fressfeinde (schützt die Pflanzen) und reduziert zum anderen die Bodenerwärmung (gut für’s Klima). Das Langschnittkonzept wird auf 25 Grünflächen im Bezirk Treptow-Köpenick angewendet (Stand: 2023). Zur extensiven Mahd gehört auch, Straßenbegleitgrün als blühende Nahrungsquelle und Winterquartier für Insekten länger stehen zu lassen.

Mehr Informationen zum Thema gibt es hier.

Schaf grast auf dem Friedhof Baumschulenweg

Tierische Landschaftspflege: Beweidung

Beweidung ist eine traditionelle Form der Landschaftspflege und trägt gleichzeitig zum Naturschutz sowie zum Erhalt der Artenvielfalt bei. So graste etwa im November 2022 eine kleine Schafherde fünf Wochen lang auf Flächen des Friedhofs Baumschulenweg, die nicht mehr für Bestattungen verwendet werden. Die Schafe „mähen“ die Wiese mosaikförmig, langsam und leise. Dadurch werden Tiere und Insekten, die in der Wiese ihren Lebensraum haben, kaum gestört oder gefährdet. Auch verschiedene Vogelarten profitieren von der höhengestaffelten Wiese. Es wird angestrebt, die Beweidung auf dem Friedhof fortzuführen. Darüber hinaus gibt es derzeit insgesamt drei Weideflächen im Bezirk: die Grünanlage “Rudower Straße / Am Kiessee”, Landschaftspark Johannisthal, Landschaftsschutzgebiet Erpetal.

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Zauneidechse versteckt sich im Gehölz

Sanfte Eingriffe in die Natur

Wo auch immer es möglich ist, sollen die Eingriffe in die Natur “sanft” ablaufen. Dazu gehört, dass Gehölze abschnittsweise und schonend zurückgeschnitten, heimische Tiere in der Fortpflanzungs- und Brutzeit nicht gestört oder Wildkräuter in bestimmten Bereichen stehen gelassen werden. So entstehen vielfältige Strukturen (siehe auch “Extensivierung der Mahd”), die verschiedensten Tieren einen Lebensraum bieten. Außerdem bleibt dadurch die schattenspende, kühlende Funktion der Pflanzen erhalten. Die Devise ist vereinfacht gesagt: Nicht alles auf einmal wegschneiden. Durch angepasste Schnittzeitpunkte vergrößert sich auch das Nahrungsangebot für Tiere: Wird etwa außerhalb der Blühzeit geschnitten, finden Bestäuber Nektar und Pollen und Früchte können sich entwickeln. Das Laub in Gehölzen wird bewusst in Gehölzflächen liegengelassen und dient nicht nur Igeln als Unterschlupf, sondern ist auch Überwinterungssmöglichkeit für diverse andere Tiere.

Obstbaumwiese

Streuobstwiesen wiederbeleben

Zur naturnahen Pflege gehört auch die Revitalisierung, also die „Wiederbelebung“, der Obstwiese als historisches Landschaftselement. Dazu gehört fachkundige Obstbaumpflege mit dem Ziel, vitale Obstbaumbestände zu entwickeln und sie langfristig zu erhalten. So wird das Habitat Obstbaum als wichtiges Schutz- und Nährgehölz aufgewertet und seine Schattenwirkung durch vitalere Belaubung erhöht. Streuobstwiesen binden besonders viel Kohlenstoffioxid und tragen damit zum Klimaschutz bei. Die Revitalisierung der 10 Streuobstwiesen wird nach und nach realisiert.

Benjeshecke

Totes Holz, mehr Leben

Totholz bietet wertvollen Lebensraum für verschiedene Tiere und Mikroorganismen, verbessert das Mikroklima und bindet Feinstaub aus der Luft – und kann zusätzlich auch noch als gestalterisches Element die Umgebung aufwerten. Auf geeigneten Flächen werden Hochstubben erhalten und Benjeshecken aus Stammrollen und Gehölzschnitt angelegt. Seit Februar 2021 hat der Fachbereich Grün des Straßen- und Grünflächenamts auf mindestens zehn Grünflächen und zwei Friedhöfen im Bezirk Benjeshecken angelegt.

Blühendes Straßengrün

Blühendes Straßengrün

Das Grün im Straßenland ist meist einfacher Rasen und damit recht „artenarm“. Mit einer Erhöhung des Blühangebots können diese Flächen zusätzlichen Lebensraum für Insekten bieten. Daher sollen auf drei – noch zu bestimmenden – Versuchsflächen verschiedene Wildstauden-Saatgutmischungen ausgebracht und unterschiedliche Anlagemethoden getestet werden. Zusätzlich wird untersucht, ob sich der Pflegeaufwand dadurch erhöht, und wie die Flächen von der Bevölkerung angenommen werden. Umgesetzt wird das Projekt mit der bezirkseigenen Ausbildung im Herbst 2023.

Staudenbeet Friedhof

Friedhofsflächen entwickeln

Sogenannte “Friedhofsüberhangflächen” bieten mit ihren vorhandenen Strukturen und der Aussicht auf eine respektvolle Nutzung durch die Besuchenden gute Voraussetzungen, um die Artenvielfalt zu steigern. Dazu werden Potenziale analysiert, Flora und Fauna untersucht sowie Möglichkeiten zur Aufwertung der Friedhofsflächen ermittelt. Auf Grundlage der Ergebnisse werden angepasste Pflegemaßnahmen, Neupflanzungen und Ansaaten vorgenommen. Unter anderem entstehen zum Beispiel Wildbienenhabitate und Zauneidechsenquartiere oder es werden Brutvogelnisthilfen und Fledermauskästen installiert. Auf einigen Teilflächen grasen auch Schafe.

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