Hinweise für Senioren- und Pflegeheime

Wie alte Menschen vor Hitze geschützt werden können

Seniorinnen und Senioren gehören bei Hitze zu den Risikogruppen. Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime haben daher eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Bewohnerinnen und Bewohnern.

Wer ist besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Personen mit eingeschränkter Anpassungsfähigkeit an Hitze. Dazu gehören

  • ältere Menschen ab 65 Jahren und insbesondere Hochbetagte
  • Personen mit Erinnerungslücken oder Gedächtnisstörungen, Verständnis- oder Orientierungsschwierigkeiten, die bei alltäglichen Verrichtungen auf die Hilfe anderer angewiesen sind
  • Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen wie Beruhigungsmittel, Antidepressiva, psychotrop wirkende Medikamente, Anticholinergika, Diuretika und blutdrucksenkende Medikamente
  • chronisch Kranke mit Herz-Kreislauf-Krankheiten, zerebrovaskulären Krankheiten, starkem Übergewicht, Mangelernährung, Diabetes, Morbus Parkinson, respiratorischer Insuffizienz, Niereninsuffizienz, peripheren Gefäßkrankheiten und Morbus Alzheimer
  • Menschen mit fieberhaften Erkrankungen
  • Konsumentinnen und Konsumenten von psychoaktiv wirkenden Drogen und Alkohol
  • Personen mit bekannten Störungen der Hitzeadaptation.

Welche vorbeugenden Maßnahmen können ergriffen werden?

  • Sensibilisieren Sie das in der Einrichtung tätige Personal.
  • Qualifizieren Sie über Fort- und Weiterbildung das Personal mit Blick auf vorbeugende Maßnahmen in Bezug auf Hitze und Unterstützung im Akutfall.
  • Berücksichtigen Sie nach Möglichkeit bevorstehende Hitzewellen bei der Dienstplangestaltung.
  • Beobachten Sie die zu versorgenden Personen insbesondere im Hinblick auf mögliche Hitzeauswirkungen.
  • Beachten Sie die allgemeinen Hinweise zu Hitze und Innenräumen
  • Kontrollieren Sie die Raumtemperaturen morgens zwischen 08.00 und 10.00 Uhr, mittags gegen 13.00 Uhr und abends nach 22.00 Uhr.
  • Verwenden Sie leichte Bettwäsche, so wenig Kissen wie möglich und nur Laken als Zudecke.
  • Wechseln Sie durchgeschwitzte Bettwäsche öfter als üblich.
  • Verwenden Sie leichte luftdurchlässige Kleidung und lassen Sie alles Überflüssige weg.
  • Benutzen Sie wenn möglich eine Netzhose mit Einlage anstelle folienbeschichteter Windelhosen (Wärmestau).

Was ist in Bezug auf Essen und Trinken zu beachten?

  • Das nachlassende Durstgefühl im Alter führt dazu, dass ältere Menschen oft weniger trinken. Dadurch verringert sich die Schweißproduktion und damit die Möglichkeit der Wärmeabgabe.
  • Ältere Personen sollten täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Bieten Sie in jeder Stunde ein bis zwei Gläser Flüssigkeit an. Oft hilft es, die tägliche Trinkmenge sichtbar bereitzustellen.
  • Achten sie darauf, dass die Flüssigkeitszufuhr überwacht und dokumentiert wird.
  • Im Einzelfall sollten Sie Bilanzen führen und seien sie auch nur ungefähr, um Gefahrenmomente zu erkennen. In diesem Zusammenhang ist ein Trinkplan sehr sinnvoll.
  • Halten Sie verschiedene kühle (nicht kalte) Getränke bereit wie Kräuter- oder Früchtetee, Saftschorle, Mineral und Leitungswasser. Wenn unbedingt Kaffee gewünscht wird, dann nur stark verdünnt.
  • Eisgekühlte Getränke oder sehr kalte Speisen sollten nicht zum Verzehr angeboten werden.
  • Bei starkem Schwitzen sollten Sie darauf achten, dass der Salzverlust ausgeglichen wird. Verwenden Sie natriumreiches Mineralwasser (> 20 mg/l), um einem Natriumverlust infolge starken Schwitzens vorbeugen zu können.
  • Generell sollten natriumarme Getränke wie Fruchtsäfte, Tee oder Kaffee nur dann eingenommen werden, wenn eine ausreichende Kochsalzzufuhr auf anderem Wege gesichert ist.
  • Falls Wasser als Getränk nicht akzeptiert wird, können Sie mit Tee, Fruchtsaft, kalten Suppen, Kompott, Wassereis, wasserreichem Obst und Gemüse wie Erdbeeren, Pfirsichen, Tomaten, Gurken und Melonen variieren.
  • Bei Fieber ist die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. Zum Beispiel muss ein Mensch wenigstens 500 ml zusätzliche Flüssigkeit pro Tag trinken, wenn die Körpertemperatur von 37 auf 38 Grad steigt.
  • Bieten Sie leichte Kost an wie Gemüse und wasserreiches Obst. Vermeiden Sie schwere Speisen, zum Beispiel Wurstplatten.
  • Für die Erstellung der Speisepläne sind die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für ältere Personen hilfreich.
  • Nach Informationen über bevorstehende Hitzeperioden planen Sie gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Einrichtungsküche oder dem Vertragspartner zur Essensbelieferung einen darauf abgestimmten Mahlzeitenplan.
  • Kühlen Sie Lebensmittel und Speisen stets oder brauchen Sie diese schnell auf.
  • Achten Sie dabei auch auf Lebensmittel und Getränke im Zimmer. Angebrochene Packungen können bei großer Hitze schnell verderben. Sie können so beispielsweise zu Durchfallerkrankungen führen. Werfen Sie im Zweifelsfall Lebensmittel oder Getränke frühzeitig weg.

Welche Maßnahmen können darüber hinaus getroffen werden?

  • In Abhängigkeit von den Grunderkrankungen kann die Fähigkeit eingeschränkt sein, selbst Maßnahmen zu ergreifen, um den Anstieg der Körpertemperatur zu vermeiden. Das trifft bei eingeschränkter Mobilität und bei Erkrankungen wie Demenz oder Depression zu. Dann ist eine intensivere Betreuung notwendig.
  • Achten Sie auf Symptome, die auf Überhitzung hinweisen, wie einer Körpertemperatur von über 38°C, Unruhe, Verwirrtheit, Erbrechen. Auch trockene, kühle Haut bei gleichzeitig hoher Körpertemperatur kann ein Zeichen für drohenden Hitzschlag sein. In diesem Fall muss eine Ärztin oder ein Arzt verständigt werden.
  • Benutzen Sie in Gemeinschaftsräumen Ventilatoren.
  • Klimaanlagen können insbesondere bei verschwitzten Personen zu übermäßiger Abkühlung führen und das Risiko für eine Lungenentzündung erhöhen. Insbesondere Bewohnerinnen und Bewohner, die sich nicht selbst aus dem Einflussbereich einer Klimaanlage entfernen können, sollten engmaschig überwacht werden.
  • Versuchen Sie, besonders gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner in kühle Räume zu bringen wie Korridore, Speisesaal, Kapelle oder Räume an der Nordseite.
  • Waschen Sie insbesondere bettlägerige Bewohnerinnen und Bewohner alle zwei Stunden und vor dem Schlafengehen mit einem nassen, kalten Waschlappen ab.
  • Besondere Hinweise:
    • Perkutane Nahrungssonden (PEG) haben eher Nachteile, da erfahrungsgemäß die notwendige Anpassung der Zufuhr bei Veränderungen der äußeren Bedingungen nur selten korrekt vorgenommen wird.
    • Ist es zur Dekompensation des Kreislaufs gekommen, sind intensive medizinische Maßnahmen angezeigt. Bei multimorbiden und vorgeschädigten Patientinnen und Patienten kann das Flüssigkeitsgleichgewicht nur durch sehr sorgfältige Kontrollen der Vital- und Laborwerte wiederhergestellt werden.
    • Eine therapeutische Überaktivität ist häufig gefährlicher als die eigentliche Exsikkose (Austrocknung). Schnelle Flüssigkeitszufuhr kann zur hypotonen Hyperhydratation führen. Meist bedarf es drei bis fünf Tage, um durch vorsichtige Infusionstherapie die Flüssigkeitsbalance wiederherzustellen. Gleichzeitig müssen die Patientinnen und Patienten regelmäßig zum Trinken aufgefordert werden.

Was sollte bei Hitze in Bezug auf Arzneimittel beachtet werden?

  • Verschiedene Arzneimittel greifen in Vorgänge ein, die der Körper nutzt, um sich an die Hitze anzupassen. Sie können deshalb die Hitzeadaptation beeinträchtigen und bei verlängerter Hitzeexposition mit anderen Risikofaktoren zusammenwirken. Das begünstigt die Entwicklung einer Hitzeerschöpfung und eines Hitzschlags. Diese Arzneimittel sollten deshalb von Fall zu Fall in die Betrachtung des Risikoprofils einer Patientin oder eines Patienten einbezogen werden.
  • Für bestimmte Arzneimittel steigt das Risiko von Nebenwirkungen. Dies gilt insbesondere für Lithiumsalze, Antiarrhythmika, Digoxin, Antiepileptika oder Diuretika. In keinem Fall ist eine automatische Reduzierung der Dosis oder das Absetzen eines Arzneimittels, das mit der Hitzeanpassung des Körpers in Wechselwirkung stehen kann, gerechtfertigt. Dies obliegt einer ärztlichen Bewertung im Einzelfall.
  • Bei einer Hitzewelle sollte das verantwortliche Personalfolgende Maßnahmen durchführen oder veranlassen:
    • Stellen Sie eine Liste der Arzneimittel zusammen, die die Patientinnen und Patienten einnehmen.
    • Empfehlen Sie jeder Patientin und jedem Patienten, kein Arzneimittel ohne ärztlichen Rat einzunehmen, insbesondere keine Arzneimittel, die ohne Anordnung mitgebracht wurden.
  • Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt entscheidet, welche Arzneimittel die Patientin oder der Patient einnehmen sollte. Dabei werden auch mögliche Einflüsse auf die Anpassungsfähigkeit des Körpers an die Hitze berücksichtigt.

Weiterführende Links

Quellen

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