Vom Rixdorfer Stadtwappen zum Neuköllner Bezirkswappen

Historisches Wappen Rixdorf

Altes Stadtwappen von Rixdorf bzw. Neukölln

Am 1. April des Jahres 1899 wurden dem Dorf Rixdorf die Stadtrechte verliehen und damit wurde auch der Wunsch nach einem eigenen Stadtwappen laut. Am 10. November desselben Jahres beschloss der Magistrat von Rixdorf die Mittel für die Beschaffung eines Stadtwappens hiesiger Stadt in das nächste Rechnungsjahr einzustellen.

Von den in der Folgezeit eingereichten zahlreichen Wappenentwürfen wurde am 29. Mai des Jahres 1903 von Kaiser Wilhelm II. ein Entwurf genehmigt, der unter der dreizackigen Mauerkrone links auf rotem Grund das Johanniterkreuz als Gedenken der Gründung des Dorfes Richardsdorf durch die Johanniter im Jahre 1360 und rechts auf weißem Feld als Symbol des zuletzt hinzugekommenen Teiles des Stadtgebietes Cöllnische Wiesen den Wappenadler von Cölln zeigt. Der Fuß des Wappens zeigte auf schwarzem Grund den Hussitenkelch als Erinnerung an die böhmischen Einwanderer, die um ihres Glaubens Willen ihre alte Heimat verlassen mussten und im Jahre 1737 von Friedrich Wilhelm I. in Rixdorf angesiedelt wurden.

Vor seiner endgültigen Genehmigung musste jedoch auch dieser Entwurf auf Anordnung des Kaisers nochmals abgeändert werden. Das letztendlich genehmigte Wappen zeigte dann unter der dreizackigen Mauerkrone nunmehr im linken Feld den Kelch auf schwarzem Grund, als Fuß das Johanniterkreuz im roten Feld, so dass die Reihenfolge der Felder die Landesfarben Schwarz-Weiß-Rot ergaben. Mit der Bildung der Stadtgemeinde Berlin durch das Gesetz vom 27. April 1920 erhob sich nun die Frage, inwieweit die bis dahin selbständigen und eingemeindeten Städte und Landgemeinden berechtigt waren, eigene “Bezirkswappen” zu führen. Diese Wappen waren als Zeichen der überlieferten bezirklichen Eigenständigkeit stets im Bewusstsein der Bevölkerung präsent, jedoch fehlte die Rechtsgrundlage für die Führung der Wappen und somit der wappenrechtliche Schutz. Eine endgültige Klärung der Rechtslage wurde erst durch das Gesetz über die Hoheitszeichen des Landes Berlin vom 13. Mai 1954 geschaffen.

Wappen Neukölln klein

Bezirkswappen von Neukölln

Dieses Gesetz bestimmt, dass der Senat den Bezirken Wappen verleihen kann, die bei besonderen Anlässen neben dem Landeswappen geführt werden können. Bei historisch überkommenen Wappen sollte keine Änderung des Wappenschildes, sondern lediglich eine Überprüfung auf seine heraldisch und künstlerisch einwandfreie Gestaltung erfolgen. Desgleichen sollte die Form der Bezirkswappen vereinheitlicht werden, das heißt, das Wappenschild sollte abgerundet werden und keine Spitze, Einbuchtung oder Umrahmung aufweisen. Auf jedem Wappen sollte eine dreitürmige Mauerkrone ruhen, deren mittlerer Turm das Berliner Wappenschild zeigt. Gemäß diesen Grundlagen für die Verleihung von Bezirkswappen beschloss das Bezirksamt Neukölln am 12. März 1956, dem von dem Heraldiker Dr. Neubecker gefertigten Entwurf eines solchen Wappens zuzustimmen. Auch die Bezirksverordnetenversammlung gab ihre Zustimmung.

Die Überreichung der Verleihungsurkunde für das Bezirkswappen erfolgte am 16. Mai 1956 durch den Senator für Inneres, Joachim Lipschitz. Das neue Bezirkswappen stimmt im Schilde mit dem ehemaligen Stadtwappen überein, lediglich der Cöllnische Adler ist in Einzelheiten verbessert und golden bewehrt worden. Der Fuß des Schildes ist rund; statt der alten, grauen ruht eine rote, dreitürmige Mauerkrone auf dem Schild, deren mittlerer Turm mit einem kleinen Berliner Wappenschild belegt ist.

Das historische Wappen der Stadt Rixdorf sehen Sie im zweiten Obergeschoss des Rathauses neben dem Eingang zum Saal der BVV Neukölln.

(Der vorstehende Text wurde 1964 vom damaligen Leiter der Informationsstelle des Bezirksamts Neukölln, Hans Rösner, verfasst.)

Johanniterkreuz_klein

Das Johanniterkreuz

Das Johanniterkreuz besteht aus acht Spitzen und wird daher auch als Pfeilspitzenkreuz bezeichnet. Die acht Spitzen stehen symbolisch für die acht Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu. Die vier nach innen zeigenden Spitzen werden manchmal auch den vier Kardinaltugenden “Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung” zugeordnet.
Das achtspitzige Kreuz selbst ist ein altes Symbol, das sich schon in der Antike in unterschiedlichen Formen findet. Als künstlerisches Element sind Johanniterkreuze seit dem 6. Jahrhundert aus der byzantinischen Kultur bekannt.
Wann der Johanniterorden das achtspitzige Kreuz als Symbol angenommen hat, ist nicht sicher. Nachzuweisen ist es in seiner heutigen, symmetrischen Form auf Ordensmänteln jedenfalls erstmals auf Zeichnungen aus dem 15. Jahrhundert.

Brandenburg_Adler_klein_modifiziert

Der Wappenadler von Cölln

Die 1710 mit Berlin vereinigte Stadt Cölln führte ein eigenes Siegel und später Wappen, welches den askanischen Adler Brandenburgs zeigte.
Dieser ist erstmals im Standbildsiegel des Brandenburger Markgrafen Otto I. aus dem Adelsgeschlecht der Askanier von 1170 historisch belegt. In der brandenburgischen Linie der Askanier wurde dieser Adler in Rot mit gelber Wehr in weißen Feld und seit der Herrschaftszeit des Brandenburger Markgrafen Otto IV. mit gelben Kleestengeln in den Flügeln dargestellt.

Hussiten Flagge SW

Der Hussitenkelch

Der Hussitenkelch bzw. Laienkelch war das Symbol der Hussiten, einer reformatorischen Bewegung in Böhmen zu Beginn der Frühen Neuzeit, welcher sich wiederum aus dem hussitischen Reformprogramm, den „Vier Prager Artikeln“ ableitete. Dieses Programm forderte unter anderem, dass das Sakrament der göttlichen Eucharistie (das Abendmahl) unter beiderlei Gestalt, Brot und Wein, allen Christen frei dargereicht werden sollte. Die Hussiten stellten sich damit gegen die Tradition der römisch-katholischen Kirche, den Laien bei der Eucharistiefeier nur das Brot (die Hostie) zu reichen und forderten die Gleichberechtigung der Priester und Laien bei der Eucharistie.