Stolpersteinverlegungen in der Friedrichsberger Straße in Friedrichshain

Pressemitteilung Nr. 103 vom 29.04.2024

Der Künstler und Initiator des Stolperstein-Projektes Gunter Demnig verlegt in Friedrichshain drei Stolpersteine für Kurt, Paula und Bela Landeck. Mit den Stolpersteinen wird am letzten freiwillig gewählten Wohnort an Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.

Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann: „Mit den Stolpersteinen gedenken wir derer, die verfolgt und grausam ermordet wurden. Die Stolpersteine erinnern uns jeden Tag bei unseren Wegen durch die Stadt an unsere Verantwortung, dass sich dies nie wiederholen darf.“

  • Wann? Sonntag, 5. Mai 2024, 15 Uhr
  • Wo? Friedrichsberger Straße 7, 10243 Berlin

Im Haus Friedrichsberger Straße 7 lebte bis zu ihrer Deportation die jüdische Familie Landeck. Kurt Landeck (*1904 in Naugard/Pommern, heutiges Polen) absolvierte nach der Schule eine Fleischerlehre. Anschließend zog er nach Berlin, wo er einige Zeit in seinem Beruf arbeitete. 1925 machte er sich mit einem Alt-Papier- und Alt-Metall-Handel selbständig. Nach 1933 litt Kurt Landeck zunehmend unter dem Boykott jüdischer Geschäftsleute. Außerdem wurde er aufgrund seiner politischen Einstellung von den Nazis verfolgt. Er war Mitglied des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“, einer Massenorganisation zum Schutz der demokratischen Weimarer Republik gegen ihre radikalen Feinde. Das „Reichsbanner“, das sich als überparteilich verstand und in Berlin von Sozialdemokraten dominiert wurde, sicherte Versammlungen und Demonstrationen gegen gewalttätige Übergriffe und wurde im März 1933 von den Nationalsozialisten verboten.

Kurt Landeck flüchtete 1934 nach Frankreich, erhielt dort allerdings keine Arbeitserlaubnis und kehrte Anfang 1935 nach Berlin zurück. Paula Schwersenz (*1910 in Mlynietz/Westpreußen, heutiges Polen) und er heirateten 1937. Das junge Ehepaar bezog im Haus Friedrichsberger Straße 7 ein Zimmer mit Küche. Am 27. August 1938 wurde Sohn Sami geboren, der jedoch im Alter von zwei Monaten an einer Lungen- und Rippenfellvereiterung verstarb. Am 26. März 1940 kam die Tochter Bela zur Welt.
Kurt Landeck musste Zwangsarbeit bei den Mauser Werken, einem Waffenhersteller, in Reinickendorf leisten und wurde dort am 27. Februar 1943 verhaftet. Seine Ehefrau Paula, die fast dreijährige Tochter Bela wurden am 4. März 1943 mit dem sogenannten „34. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Recherchen und biografische Zusammenstellung: Christiana Hoppe, Stolperstein-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg

Stolpersteine, deren Verlegung von Angehörigen oder Nachfahren von Opfern des Nationalsozialismus initiiert wird, finanziert seit 2017 das Bezirksamt. Dieses Vorgehen hat die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Beschluss (DS/0417-15/V) bekräftigt.

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