Mit den neu eingeführten Bezirksprofilen stellt die SenWGP erstmals bezirksspezifische Daten zur pflegerischen Versorgung in einheitlicher Form bereit.
Indikator 1: Einwohnerinnen und Einwohner (EW) nach Altersgruppen
Tabelle 1: Einwohnerinnen und Einwohner (EW) nach Altersgruppen im Land Berlin am 31.12. der Jahre 2019 und 2023
Die Gesamtbevölkerung Berlins betrug zum 31.12.2023 3.878.100 Einwohnerinnen und Einwohner. Tabelle 1 zeigt unterschiedliche Entwicklungen in den Altersgruppen. Am stärksten veränderte sich die Personenzahl in der Gruppe der 80-Jährigen und Älteren, die mit einem Zuwachs von 22,2 % (+45.445) einen sehr deutlichen Anstieg verzeichnete. Auch überproportional wuchs die Gruppe der unter 15-Jährigen um 4,4 % (+22.653). Auffallend ist auch der Rückgang der Personenzahl bei den 65- bis unter 80-Jährigen um 6,1 % ( 31.373). Insgesamt wuchs die Berliner Bevölkerung um 1,7 % (+63.549). Diese Zahlen deuten auf eine Verschiebung in der demografischen Struktur hin, in der einerseits die jüngere Gruppe zunimmt und andererseits insbesondere der Anteil der Hochaltrigen stark wächst, während die Gruppe der Älteren (65 bis unter 80 Jahre) zurückgeht.
Indikator 2: Pflegebedürftige (PB) nach Altersgruppen
Tabelle 2: Pflegebedürftige (PB) gemäß SGB XI nach Altersgruppen im Land Berlin am 15.12. der Jahre 2019 und 2023
Im Jahr 2023 gab es in Berlin insgesamt 211.999 pflegebedürftige Menschen, was einer Steigerung von 33,8 % (+53.517) im Vergleich zu 2019 entspricht. In allen Altersgruppen nahm die Zahl der Pflegebedürftigen zu. Besonders auffällig ist der starke Zuwachs in der Gruppe der unter 15-Jährigen, die um 59,2 % (+3.466) zunahm. Aber auch die Gruppe der 80-Jährigen und Älteren, die bereits mit 50,9 % den größten Anteil ausmacht, verzeichnete einen signifikanten Anstieg von 41,2 % (+31.476). Die Zunahmen in den Altersgruppen der 15- bis unter 65-Jährigen (+31,9 % bzw. +9.731) und der 65- bis unter 80-Jährigen (+19,3 % bzw. +8.844) sind ebenfalls relevant, wenn auch etwas geringer. Diese Verteilungen zeigen, dass in Berlin der Pflegebedarf in allen Alterssegmenten wächst, insbesondere jedoch bei den Kindern und den Hochaltrigen.
Tabelle 3: Altersspezifische Pflegeprävalenz im Land Berlin am 15.12. der Jahre 2019 und 2023
Die Tabelle 3 zeigt die altersspezifische Pflegeprävalenz in Berlin zum 15.12.2023. Dabei fallen die deutlichen Unterschiede zwischen den Altersgruppen auf. In den jüngeren Alterssegmenten liegt die Pflegeprävalenz relativ niedrig. Während die unter 15-Jährigen einen Wert von 1,7 % aufweisen, beträgt der Anteil der Pflegebedürftigen an den Einwohnern bei den 15- bis unter 65-Jährigen 1,5 %. Mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz jedoch drastisch an. So erreicht die Gruppe der 65- bis unter 80-Jährigen 11,4 % und die der 80-Jährigen und Älteren 43,1 %. Insgesamt liegt die Pflegeprävalenz in Berlin bei 5,5 %. Diese Zahlen unterstreichen den klar altersabhängigen Anstieg der Pflegebedürftigkeit. Die hohe Pflegeprävalenz in der Gruppe der 80-Jährigen markiert dabei den zentralen Schwerpunkt der pflegerischen Herausforderungen.
Tabelle 4: Pflegebedürftige (PB) gemäß SGB XI nach Pflegegrad (PG) im Land Berlin am 15.12. der Jahre 2019 und 2023
Die Tabelle 4 zeigt die Verteilung der Pflegebedürftigen in Berlin nach Pflegegrad sowie die Veränderungen zwischen 2019 und 2023. Der größte Anteil entfällt auf Pflegegrad 2, der aktuell 89.985 Personen (42,5 % aller Pflegebedürftigen) umfasst. Mit deutlichem Abstand dahinter rangiert Pflegegrad 3, der 29,5% (62.589) der Pflegebedürftigen ausmacht. Besonders auffällig ist der drastische Anstieg im Pflegegrad 1, der um 121,9 % (+15.349 Personen) gewachsen ist. Diese Entwicklung ist auf Änderungen im Pflegebedürftigkeitsbegriff, dem dazugehörigen Begutachtungs-Instrument sowie einer verzögerten Erfassung von Pflegebedürftigen im Pflegegrad 1 zurückzuführen. Auch die Zahl der Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 3 und 4 nahmen signifikant zu, mit einem Anstieg von 38,9 % (+17.530) bzw. 18,1 % (+3.655). Im Gegensatz dazu verzeichnete Pflegegrad 5 nur einen vergleichsweise moderaten Zuwachs von 3,4 % (+246).
Tabelle 5: Empfängerinnen und Empfänger und Ausgaben in der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) im Land Berlin am 31.12. der Jahre 2019 und 2023
Die Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Zahl der Personen, die in Berlin zwischen 2019 und 2023 Leistungen der Hilfe zur Pflege (HzP) erhielten. Während die Zahl der HzP-Empfänger um 16,0 % (–3.171 Personen) auf 16.610 sank, stiegen die Gesamtausgaben in dieser Zeit moderat um 3,7 % (+11.113.270 €) auf rund 313,6 Mio. €. Auffällig ist der unterschiedliche Trend in den Ausgabenkategorien. Die Ausgaben außerhalb von Einrichtungen erhöhten sich signifikant um 11,0 % (+18.406.369 €), während die Ausgaben in Einrichtungen um 5,4 % (–7.293.098 €) zurückgingen. Diese Differenzierung weist darauf hin, dass vermehrt HzP-Leistungen für ambulante Pflegeleistungen verausgabt werden, obwohl insgesamt weniger Personen HzP-Leistungen beziehen.
Diese Entwicklungen stehen im Kontrast zu dem deutlichen Anstieg der Pflegebedürftigen in Berlin (siehe auch Tabelle 2). Mögliche Einflussfaktoren für die Abnahme der HzP-Empfangenden und der damit verbundenen Ausgaben können Änderungen in der Pflegeversicherung, die sozioökonomische Situation der Pflegebedürftigen sowie die verstärkte Bearbeitung von HzP-Fällen durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) sein. Durch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, etwa die Einführung der Tariftreue oder die Inflation, führt eine Reduzierung in der Zahl der HzP-Empfangenden nicht zwangsläufig zu einer Reduktion der Ausgaben in gleicher prozentualer Höhe.
Indikator 6: Versorgung nach Einrichtungsart
Tabelle 6: Anzahl Einrichtungen und Pflege-WG nach Art der Versorgung im Land Berlin am 15.12. der Jahre 2019 und 2023
Die Tabelle 6 gibt einen Einblick in die pflegerische Infrastruktur in Berlin und zeigt die Entwicklung verschiedener Einrichtungsarten und pflegespezifischer Wohnformen zwischen 2019 und 2023. Im Jahr 2023 verfügte Berlin über 288 vollstationäre Einrichtungen (Dauer und Kurzzeitpflege), was einem Rückgang um 17 Einrichtungen bzw. einem Minus von 5,6 % im Vergleich zu 2019 entspricht. Im Gegensatz dazu stiegen die teilstationären Einrichtungen, also Angebote der Tages und Nachtpflege, moderat um 4 Einrichtungen auf 110, was einem Zuwachs von 3,8 % entspricht. Dadurch reduzierte sich der gesamte stationäre Bereich leicht um 11 Einrichtungen (–2,8 %). Auch bei den alternativen Wohnformen zeigten sich Veränderungen: Die Zahl der Pflege Wohngemeinschaften nahm um 36 Einrichtungen zu und erreichte 670, was einem Plus von 5,7 % entspricht. Zudem legten die Pflege und Betreuungsdienste um 59 Einrichtungen zu und erreichten 761 (ein Plus von 8,4 %). Insgesamt zeigt die Tabelle, dass
Berlin im stationären Segment nur moderate Veränderungen verzeichnet, während sich die ambulanten Versorgungsangebote verbessert haben.
Tabelle 7: Anzahl Plätze nach Einrichtungsart im Land Berlin am 15.12. der Jahre 2019 und 2023
Die Tabelle 7 beleuchtet die zahlenmäßige Entwicklung der Platzzahlen in pflegerischen Versorgungsstrukturen in Berlin zwischen 2019 und 2023. Im Jahr 2023 standen insgesamt 32.879 stationäre Plätze zur Verfügung, was einem Rückgang von 4,1 % (–1.421 Plätze) gegenüber 2019 entspricht. Während die Zahl der vollstationären Plätze um 5,2 % (–1.680 Plätze) abnahm, stieg die Zahl der teilstationären Plätze um 11,9 % (+259 Plätze). Auffällig ist zudem, dass die alternative Versorgungsform der Pflege Wohngemeinschaft um 13,7 % (+733 Plätze) zunahm und 6.085 Plätze erreichte. Pro 100 Pflegebedürftige lagen im stationären Bereich 15,5 Plätze vor, während in den Pflege-Wohngemeinschaften 2,9 Plätze je 100 Personen zur Verfügung standen. Diese Zahlen deuten auf einen moderaten Rückgang im traditionellen stationären Angebot und auf den Ausbau alternativer Pflegekonzepte hin.